Assata Shakur GESUCHT

»WANTED« – »GESUCHT«! Auf vielen Fahndungsplakaten fand sich das Foto einer dunkelhäutigen Frau und zwei Namen: Joanne Chesimard und den, den Millionen kennen: Assata Shakur. Sie ist als erste Frau auf der Liste der zehn meistgesuchten Terroristen.

Doch warum waren die Plakate in New Jersey (USA), wenn doch jeder wusste, dass Assata in Kuba lebt? Und warum bietet man gerade jetzt eine Zwei Millionen Dollar Belohnung für die Hilfe ihrer Festnahme wegen eines Delikts von vor vierzig Jahren?

Assata, war am 3. Mai 1973 mit zwei ebenfalls schwarzen Kampfgenossen auf der Autobahn gefahren, nicht mal zu schnell. In den USA wird »Trunkenheit am Steuer « als »DWI« abgekürzt. Daraus haben Afroamerikaner eine andere Abkürzung abgeleitet: »DWB –Fahren obwohl schwarz«. Sie müssen darauf gefasst sein, von der Polizei gestoppt und gefilzt zu werden – oft mit gespreizten Armen und Beinen. Bei einem kleinen Vergehen oder einer »zu frechen Antwort« droht Gefahr, verhaftet zu werden. Oder Schlimmeres.

Als Assatas Wagen wegen eines angeblich beschädigten Rücklichts gestoppt wurde, mussten sie und ihre Begleiter vieles fürchten, denn sie waren gesuchte Mitglieder der Schwarzen Panther Partei bzw. ihrer revolutionären Nachwuchsorganisation, der Schwarzen Befreiungsarmee. Diese ähnelte der deutschen RAF. Ein wichtiger Unterschied war, dass die Schwarzen zu der Zeit zum verzweifelten Widerstand gezwungen wurden: J. Edgar Hoover, der Chef des FBI, hatte gegen jegliche Versuche der Afro-Amerikaner, Gleichheit und Gerechtigkeit zu erreichen, einen blutigen Krieg erklärt. Mehr als zwanzig der Schwarzen Panther wurden ermordet, fast sicherlich gehörte dazu Martin Luther King und wahrscheinlich Malcolm X. Einer der drei im Wagen – seiner Kampfname war Sundiati Acoli – blieb mit zwanzig anderen zwei Jahre lang in Haft, ehe sie wegen gefälschter Indizien freigelassen werden mussten. Auch Assata konnte mehrfach – nach schweren Gerichtskämpfen – befreit werden. Jetzt wurde wieder nach ihnen gefahndet. Auf der Autobahn, bei der Durchsuchung, konnte es nicht gut gehen. Wir wissen nicht, wer zuerst feuerte, doch rasch waren einer der drei und ein Polizist tot und Assata wie Sundiati verwundet.

Sundiati wurde zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Wieder und wieder wurde seine neueste Bitte um Bewährung wegen guter Führung abgelehnt.

Hands Off Assata

Assata, schwer verletzt, mit durchschossenen Armen und ohne Pulverspuren an den Händen, konnte dabei gar nicht geschossen haben. Trotzdem befanden die zwölf Geschworenen, alles Weiße, sie schuldig. Sie wurde zu »lebenslänglich plus 33 Jahren « verurteilt. Assata sagte ihnen: »Mit diesem Prozess haben Sie Freiheit und Demokratie lächerlich gemacht!«

Vom Anfang wurde sie misshandelt; einige Zeit wurde sie sogar als einzige Frau in einem Männergefängnis gehalten. Plötzlich, nach sechs Jahren, ist es ihrem Bruder und drei anderen gelungen, sie in einer sensationellen Aktion aus dem Gefängnis zu befreien! Fünf Jahre lang wurde sie gesucht, doch durch die große Unterstützung für sie, auch bei solchen die sich nicht an einem so harten Kampf beteiligen konnten, fand man sie nicht. 1984 erhielt sie dann – mit der warmen Sympathie von Fidel Castro – Asyl auf Kuba.

Bis heute bleibt sie bei ihrem Lebensmotto: »Ich glaube an das Feuer der Liebe und an den Schweiß der Wahrheit!« Warum greifen die USA, trotz der Bewunderung, die so viele für sie hegen (auch viele Rocksänger haben sie gefeiert, darunter ihr Patenkind, der verstorbene Tupac Shakur), diese Frau von 65 Jahren mit riesigem ausgesetztem Kopfgeld an? Warum gilt sie als »eine höchste Gefahr«?

Es gibt mehrere Gründe: Seit mehr als zwanzig Jahren kann man nicht mehr mit den Gefahren vom »roten Russland und seinen Satelliten« warnen. Um Milliarden, ja Billionen, zu verdienen an immer stärkeren, raffinierteren Waffen, sie zu bauen, verkaufen und damit unbotmäßigen Ländern zu drohen, oder gar gegen sie einzusetzen, braucht man einen neuen Buhmann. Dazu dient der Terrorismus – auch wenn viele seiner Kämpfer einmal mit US-Dollar und Waffen aufgebaut wurden. Den gleichen Buhmann kann man benutzen, geistig einen Teil der eigenen Bevölkerung zu vergiften – gegen Muslime, gegen Latinos und immer weiter gegen Afroamerikaner, deren Jugend weiterhin unter der alarmierendsten Arbeitslosigkeit leidet und die in erschreckenden Zahlen hinter Gitter landet, wo sie als eine neue Form von Sklaven für Privatfirmen fast völlig unbelohnt produziert.

Schließlich ist aber eine Kampagne gegen Assata Shakur auch ein Schlag gegen Kuba, und damit gegen fortschrittliche Kräfte in Lateinamerika. Diese Kampagne der Hassgeladenen wirkt wie ein Zerrspiegel. Assata wird als Terroristin gesucht, während ein echter Terrorist wie Luis Posada Carilles, der für den Tod von 76 Flugzeugpassagieren verantwortlich ist, der Fidel neben vielen Studenten in Panama in die Luft sprengen wollte, in Florida frei herumläuft. Echte Terroristen im Nahen Osten, an höchsten Stellen in Saudi Arabien, Katar oder Israel werden umarmt und bewaffnet. Menschen wie die Cuban Five, die gegen Terroristen warnten, werden jahrzehntelang, auch lebenslang inhaftiert, wie auch Widerständler vom eigenen Land, wie Leonard Peltier und Mumia Abu-Jamal.

Unsere Stimmen, wie die von Assata, müssen in der ganzen Welt noch viel, viel lauter werden!

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CUBA LIBRE 3-2013