Kuba lebt und kämpft

Olympische Spiele 2021 in Tokio

Julio César la Cruz

"Ich musste Erster werden, schließlich bin ich der Kapitän meiner Mannschaft", sagte Julio César la Cruz, nachdem er seinen zweiten olympischen Titel geholt hatte und mit dieser Leistung der elfte kubanische Doppel-Goldmedaillengewinner im Boxen geworden war.
Foto: Granma



Die Olympischen Spiele in Tokio fanden wegen der Corona-Pandemie mit einem Jahr Verspätung und unter schwierigen Bedingungen statt. Zuschauer waren nicht zugelassen. Dennoch wurde erstklassiger Sport geboten. Das gilt gerade auch für Kuba, obwohl das Land derzeit eine schwierige wirtschaftliche Phase durchmacht und die USA ihre Blockade und andere Umsturzbemühungen beständig intensivieren. In der Medaillenwertung landete das Land auf einem sehr guten 14. Platz. Es gab sieben Gold-, drei Silber- und fünf Bronzemedaillen. Würde man, was sinnvoll wäre, die von einzelnen Ländern erzielten Medaillen in eine Beziehung zur ihrer Bevölkerungszahl setzen, so würde Kuba den Großteil der jetzt besser platzierten Länder hinter sich lassen.

Herausragend waren die Siege der Ringer in der Kategorie "Griechisch-Römisch": Luis Alberto Orta Sanchez (Bantamgewicht) und Mijaín López Núñez (Superschwergewicht) beherrschten ihre Gegner bis ins Finale souverän. Für Mijaín war es die fünfte Olympiateilnahme. Als junger Mann landete er in Athen auf dem fünften Platz, danach gewann er viermal Gold. Obwohl er schon 39 Jahre alt ist, dürfen wir gespannt sein, ob er in 3 Jahren in Paris nochmal antritt.

Schon fast eine "Veteranin" ist auch Idalys Ortiz, die im Judo bei drei vorangegangenen Olympiaden schon Bronze, Gold und Silber im Schwergewicht gewonnen hatte. In einem Interview sagte sie, dass es für sie immer um den Sieg gehe. In Tokio erreichte sie erneut das Finale, wo sie nach einem anstrengenden Turnier ihren eigenen Anspruch nicht ganz umsetzen konnte. Weder Idalys noch ihre Gegnerin, eine viel jüngere, deutlich leichtere und kleinere Japanerin, konnten aus dem Kampf heraus eine Wertung erzielen. So endete der Kampf leider damit, dass die Kubanerin in der Verlängerung nicht unberechtigt eine dritte Verwarnung wegen Passivität erhielt und sich erneut mit der Silbermedaille begnügen musste. Eine großartige Bilanz ist und bleibt es aber allemal.

Dramatisch entwickelte sich das Finale im Weitsprung der Männer. Dort lagen die beiden jungen Kubaner Juan Miguel Echevarría und Maykel D. Massó auf Platz eins und zwei und konnten wegen Verletzungen ihre letzten Sprünge nicht mehr ausführen. Dennoch sah alles schon nach einem kubanischen Doppelerfolg aus, als der Favorit aus Griechenland bis dahin nur Vierter mit seinem letzten Sprung noch mit dem führenden Kubaner gleichzog und er, da er einen besseren zweiten Versuch vorweisen konnte, Gold gewann. Doch die beiden Silber- bzw. Bronzegewinner lassen für die Zukunft noch einiges erwarten.

Ein tolles Rennen lieferten die Kanuten Serguey Torres Madrigal und Fernando Dayán Jorge Enríquez im Canadier Zweier über 1000 Meter. Früh schon fast abgehängt, setzten sie zu einer unglaublichen Aufholjagd an, fingen die Favoriten aus China noch auf den letzten Metern vor der Ziellinie ab und holten sich Gold. Verlass war wie immer auf die kubanischen Boxer, die in vier Gewichtsklassen Gold und dazu eine Bronzemedaille gewannen. Andy Cruz Gómez, Roniel Iglesias, Arlen López und Julio César La Cruz boten außergewöhnliche bis brillante Leistungen. Doch auch alle übrigen Sportlerinnen und Sportler aus Kuba, ob sie nun Medaillen gewannen oder schon im Vorlauf ausschieden sie zeigten, dass Kuba lebt und kämpft und sich nicht verunsichern lässt.

Was diese Spiele darüber hinaus so auszeichnete, war das generelle Bemühen um faire und sportliche Bewertung der Leistungen. Man hatte nie das unangenehme Gefühl, dass Sportler durch politische Einmischung und Manipulation von Punktrichtern gezielt benachteiligt wurden. Das war in der Vergangenheit in offensichtlicher Weise gerade kubanischen Sportlern häufiger passiert. Die schmutzige und meist unsichtbar bleibende Hand der Subversion, die auch vor der Korrumpierung des Sports nicht haltmacht, musste bei den japanischen Sportstätten außen vor bleiben. Dank dafür den Veranstaltern, allen Verantwortlichen und Organisatoren!

CUBA LIBRE

Wolfgang Mix

CUBA LIBRE 4-2021