Kuba und das Recht auf Gesundheit in Deutschland

Eine Veranstaltung der Mainzer Gruppe der Freundschaftsgesellschaft

Die Mainzer Gruppe der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba hatte am 17. Februar 2021 zu einer Online-Veranstaltung mit dem Titel "Recht auf Gesundheit Hier und weltweit ... oder?" eingeladen, und immerhin 65 Interessierte erschienen virtuell im FG-eigenen digitalen Konferenzraum. Franco Cavalli, international anerkannter Krebsforscher aus der Schweiz und Präsident der Solidaritätsorganisation mediCuba Europa, war eingeladen, über das kubanische Gesundheitssystem zu berichten. Michael Quetting, Pflegebeauftragter von ver.di und einer der Sprecher des Pflegeaufstands Rheinland-Pfalz, sprach über die Arbeitssituation in der Pflege und die Kämpfe der Beschäftigten für bessere Bedingungen im deutschen Gesundheitswesen.

Deutschland und Kuba lassen sich schwer vergleichen. Dieser Konsens wurde unter beiden Rednern schnell deutlich. Über die Gesundheit in beiden Ländern auf einer Veranstaltung zu reden, sollte aber neue Erkenntnisse die beiden Gesundheitssysteme miteinander in Bezug zu bringen und so kam es.

Franco Cavalli erläuterte, dass sein Interesse an Kuba aus seinen ersten internationalen Erfahrungen mit der Gesundheitsversorgung in Ländern des Südens rührte. Wenn man im brasilianischen Regenwald oder im südostasiatischen Dschungel auf einen Arzt stieß, so Cavalli, so hatte der seine Ausbildung in Kuba gemacht. Ihn habe beeindruckt, dass ein kleines Land wie Kuba durch ein auf Prävention ausgerichtetes Gesundheitssystem ein Niveau an Gesundheitsversorgung entwickeln konnte, so dass es heute sogar Ärzte in bedürftige Länder schicken kann. Diese Herangehensweise hilft Kuba heute auch in der Corona-Pandemie, so Franco Cavalli. Kuba forscht an Impfstoffen, die insbesondere unter Bedingungen der Länder des Südens wirken und nicht auf die Generierung von Profit ausgerichtet sind. Ein Unterfangen, welches mediCuba Europa durch die Entsendung von Geld und Gerätschaften durch die Lücken der US-Blockade tatkräftig unterstützt. Es geht der Schweizer Initiative damit nicht nur um Solidarität mit dem kubanischen Versuch, eine Gesundheit für alle zu garantieren. Kuba ist auch, so Cavalli, ein Alternative, die Fragen über den Charakter des Gesundheitssystems in Ländern wie Deutschland oder der Schweiz aufwirft.

Die Lage der Pflegekräfte in Deutschland ist kritisch. Das führte Michael Quetting aus und erklärte damit zugleich, weshalb seine Initiative von Gesundheitsarbeiterinnen und -arbeitern in Rheinland-Pfalz den Aufstand gegen den Pflegenotstand probt. Die Arbeitsbedingungen in der Pflege sind nicht nur für die Arbeitskräfte dramatisch schlecht, sie gefährden auch die Gesundheit der Betroffenen, da etwa Hygienemaßnahmen nicht mehr eingehalten und Patientinnen und Patienten nicht so versorgt werden können, wie sie es sollten. Die Beschäftigten in der Pflege sehen sich in der Klemme, da sie insbesondere unter den Bedingungen von COVID 19 nicht mehr ihren Aufgaben nachkommen können und mit den Auswirkungen allein gelassen werden. Deshalb besteht eine der Forderungen des Pflegeaufstands darin, dass keine Pflegekraft mehr in die Situation gebracht werden darf, allein eine Station versorgen zu müssen.

Wie Franco Cavalli betonte auch Michael Quetting, dass vereinfachende Vergleiche zwischen Kuba und Deutschland nicht hilfreich sind. Kuba wirft aber doch die Frage auf, so Quetting, ob in einem von Warenwirtschaft und Profit geprägten System wie in Deutschland eine an der Gesundheit der Menschen orientierte Führung eines Krankenhauses überhaupt möglich sei. Kuba habe gezeigt, dass dieser Weg nicht alternativlos und also zu kritisieren sei, so Quetting, und werde deshalb von den USA immer wieder durch Blockademaßnahmen bestraft. Auch die Bewegungen der Pflegekräfte müsse sich stärker politischen, sprich: Systemfragen zuwenden. Das Beispiel Kubas helfe dabei.

Franco Cavalli stimmte dem zu und berichtete, dass er in einer Initiative für eine bessere Pflege in der Schweiz aktiv geworden sei. Michael Quetting erinnerte an eine gemeinsame Veranstaltung der beiden Referenten Ende 2017, die ebenfalls unter anderem von der Mainzer Gruppe der Freundschaftsgesellschaft organisiert worden war. Damals, so Quetting, war die Mainzer Uniklinik gewerkschaftlich nur schwach erschlossen; Heute, drei Jahre später, hat sich die Belegschaft einen der besten Tarifverträge an deutschen Krankenhäusern erkämpft.

Mit Musik und Tanz vor den heimischen Bildschirmen ging eine schöne Veranstaltung zu Ende, in der die gesellschaftspolitische Wirkung Kubas sogar auf der anderen Seite des Erdballs sichtbar wurde.

CUBA LIBRE Tobias Kriele

CUBA LIBRE 2-2021