Freiheit hoch 5! Solidarität an einem ungewöhnlichen Ort

23. 0ktober 2011, 12. Spieltag der zweiten Fußballbundesliga, Hamburg St Pauli, Millerntorstadion. Beim Stand von 2:0 der Mannschaft aus dem Stadtteil gegen den FSV Frankfurt, kurz vor dem Ende der Halbzeitpause, werden auf der Südtribüne drei acht Meter lange Transparente entrollt. Die Menschen im Stadion lesen "Freiheit für die Cuban 5".

16 Tage vorher, an einem ganz anderen Ort der Welt, in Miami, wird ein Gefangener nach 13 Jahren Haft aus einem US Gefängnis freigelassen und ist doch nicht frei. Sein Name ist René Gonzalez.

53 Jahre vorher, nach dem Sieg der kubanischen Revolution. Ein Großteil der Anhänger der Diktatur Batistas emigriert in die USA. Darunter ehemalige Militärs, Großgrundbesitzer, Folterknechte, Unternehmer wie Bacardi und andere Einflussreiche Familien, die bisher den Reichtum Kubas unter sich aufgeteilt haben, während der überwiegende Teil der kubanischen Bevölkerung in elenden Verhältnissen lebte. Das Ziel dieser Exilkubaner ist von Beginn an, die kubanische Revolution und ihre sozialen Errungenschaften zu bekämpfen, um ihre politische und wirtschaftliche Herrschaft in Kuba zurückzugewinnen. Um ihr Ziel zu erreichen, bedienen sie sich, mit Unterstützung der us-amerikanischen Regierungen, auch des direkten Terrors, der bis heute mehr als 3.400 Kubanerinnen und Kubanern das Leben gekostet hat.

Wie hängen diese drei Ereignisse zusammen? Der Anfang Oktober freigelassene René ist einer von fünf kubanischen Staatsbürgern, die in die terroristischen exilkubanischen Organisationen eingesickert sind und Informationen über geplante Anschläge an die kubanischen Behörden weitergeleitet haben. Auf diese Weise konnten über 170 Anschläge verhindert und das Leben zahlreicher Menschen gerettet werden. Als Kuba von Vorhaben unterrichtet wurden, die auch us-amerikanische Menschen betroffen hätten, informierte Kuba die Behörden der USA, die diese Informationen nutzte, um die 5 am 12. September 1998 festzunehmen. Verurteilt wurden sie wegen Spionage zu extrem hohen Haftstrafen, obwohl keine Beweise existieren, dass die 5 versucht hätten, Staatsgeheimnisse der USA zu erkunden.

Jetzt, nach 13 Jahren, wurde René als erster der inhaftierten Kubaner aus dem Gefängnis entlassen, aber frei ist er noch nicht. Die Richterin machte es ihm zur Auflage, weitere drei Jahre in Miami verbringen zu müssen. Dort sind die meisten der terroristischen exilkubanischen Organisationen ansässig und René befindet sich in Miami in ständiger Lebensgefahr eine Tatsache die der Richterin und der US-Regierung bewusst ist.

In Hamburg nahmen das einige Menschen zum Anlass, dieses verbrecherische Vorgehen an die Öffentlichkeit zu bringen und wählten als Ort dafür ein Heimspiel des FC St Pauli. Aber nicht nur im Stadion wurde mit insgesamt zwei Transparentaktionen die Freiheit der 5 thematisiert.

Freiheit für die Cuban Five, Millerntor Tribüne

Auch vor dem Stadion standen wir mit 20 Menschen, Organisierte und Unorganisierte, die dem Aufruf der AG Kuba Solidarität der DKP gefolgt sind, gemeinsam ein Hamburger Bündnis für die Freiheit der 5 zu bilden. Ausgestattet mit wärmendem Tee, einem großem Transparent direkt vor dem berühmten Emblem des FC St Pauli und hunderten Flugblättern informierten wir über den Fall der "Cuban 5" und sammelten Unterschriften für ihre Freilassung. Die Resonanz der Fußballfans war erfreulich positiv. Viele mit denen wir sprachen hatten noch nie von den Ereignissen in den USA gehört. Viele waren empört über den rechtsbeugenden Charakter ihrer Verfahren, ihrer Haftbedingungen und des Umgangs mit ihren Familien, denen ein Besuch der Gefangenen z. T. seit der gesamten Haftdauer verwehrt wird.

Vereinzelt gab es auch Reaktionen, ob wir denn angesichts der Krise und ihrer Folgen für die Menschen weltweit keine anderen Probleme hätten? Denen konnte gesagt werden, ja, allerdings gibt es gerade für fortschrittlich denkende Menschen eine Menge großer Herausforderungen. Und genau darum ist die Solidarität mit den 5 Kubanern so wichtig! Denn dieser Umgang mit den 5 ist ein Angriff nicht nur auf ihre aufrechte Haltung sondern auch stellvertretend ein Angriff auf das Recht einer eigenständigen Entwicklung ihres Landes, für die Tatsache, dass Kuba sich seit 50 Jahren von einem Hinterhof der USA in ein souveränes, sozialistisches Land verwandelt hat. Eine Tatsache, die den Herrschenden weltweit ein gefährliches Beispiel ihrer Überflüssigkeit ist, der überwiegenden Mehrheit der Menschen weltweit jedoch ein Beispiel der Hoffnung für ein Ende von Elend und Armut. Daher, und weil wir wissen, dass die juristischen Mittel für die Befreiung der 5 ausgeschöpft sind und insbesondere Gerardo lebendig im Knast begraben werden soll weil es also "Gerechtigkeit und Freiheit für die 5 nur geben wird, wenn wir ausreichenden politischen Druck entwickeln" wie es in unserem Flugblatt stand, daher ist uns klar, dass diese Aktion in Solidarität mit den 5 nur ein Anfang war - wir machen weiter!

P.S.: Das Spiel endete übrigens 2:1 für den FC St. Pauli

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CUBA LIBRE 1-2012