Die etwas andere Tienda:

Gerechterer Handel auch mit Cuba

Ein Zweifel: Der "Eine-Welt-Handel", wie er seit einigen Jahren statt dem früher gebräuchlichen "Dritte-Welt"-Begriff heute in fortschrittlichen Kreisen genannt wird,

fristet insgesamt immer noch trotz langsam steigender Tendenz ein untergeordnetes Dasein im Handel zwischen den Ländern. Immerhin wurde in einigen Supermärkten diese Sparte entdeckt und mit einzelnen Produkten ins Programm genommen. So stieg auch insgesamt die Zahl der Orte hierzulande an, wo man diese Produkte erwerben kann.

Aus Sicht der Solidarität mit Cuba besonders positiv zu bewerten in diesem Bereich ist der Hildesheimer EL PUENTE (Die Brücke) Vertrieb. Sie bieten diverse Lebensmittel aus Cuba n und versorgen damit in vielen Regionen Deutschlands Eine-Welt-Läden. Mit ihren eigenen Liefertransporten klappern sie diese in bestimmten Touren ab und sorgen für Nachschub.

Auf der Homepage des Vertriebs unter www.el-puente.de findet man auch viele Produkte aus anderen Ländern. Aber und a+eben auch aus Cuba bezieht EL PUENTE einen Teil ihrer Waren. Damit unterscheidet sie sich von so manchen anderen Eine-Welt-Laden-Lieferanten die Produkte dieses Landes nicht in ihr Programm aufnehmen. Die Hildesheimer scheinen auch keine Probleme mit dem cubanischen "Staatshandel" zu haben. Schließlich sei der ja auch für die herausragenden Erfolge im sozialen Bereich verantwortlich.

Und in ihren Produktbeschreibungen erklären sie die Zusammenhänge zwischen Produktion und Nutzen für die Produzenten. Erstaunlich positiv werden dabei die Süßwaren-Betriebe Confitera/Confitel hervorgehoben, die den ArbeiterInnen diverse günstige Konditionen bieten. Auch bei den anderen Produkten kann man davon ausgehen, dass der Herstellerbetrieb durch den Handel auf eine bessere ökonomische Basis gestellt wird und die Beschäftigten dadurch in den unmittelbaren Nutzen dessen gelangen.

EL PUENTE die Brücke zu Kaffee, Rum, Orangen- und Grapefruitsaft, Honig und Pfefferminzbonbons aus Cuba.

Ein Schritt in die Autonomie: Kaffee CUBITA

dieser Kaffee wird im Ursprungsland geröstet, gemahlen und fertig verpackt. CUBITA ist einer der ersten im Ursprungsland fertig produzierten Filterkaffees. Für Cuba bedeutet das eine große Unabhängigkeit von den Schwankungen des Weltmarktpreises, höhere Wertschöpfung im Land selbst und damit höhere Deviseneinnahmen. Dies sind Schritte auf dem Weg zu einer unabhängigen Entwicklung, Schritte, die selbst vor den hohen Zollschranken in unserem Land nicht halt machen.

CUBITA ist sortenreiner Hochland-Arabica aus der östlichen Bergregion Cubas, der Sierra Maestra. Die Pflanzungen, die von staatlichen und privaten Kooperativen bewirtschaftet werden, liegen in einer Höhe von 600-800 Metern. Aus Geldmangel verzichten viele inzwischen auf den Einsatz chemischer Mittel. Die Bauern bzw. Kooperativen verkaufen ihre Ernte zu einem garantierten Festpreis an eine regionale Sammelstelle mit angeschlossener Nassverarbeitungsanlage. Von dort kommt der sogenannte Café pergamino in die zentrale Verarbeitungsanlage La Sierra Maestra, wo er getrocknet, vom Silberhäutchen befreit und sortiert wird. In Havanna wird der Kaffee dann in kleinen Mengen sorgfältig geröstet und handabgefüllt, zuerst grob mit Mehlschaufeln, dann fein auf der Waage.

Das Verpackungsmaterial für die Vakuumpäckchen muss derzeit noch aus Spanien importiert werden. Cuba fehlt es an Devisen, um das zur Energieversorgung notwendige Erdöl zu importieren. Die cubanische Regierung setzt große Anstrengungen in die Nutzung von eigenen, erneuerbaren Energiequellen (Biomasse, Wind, Sonne). Um diese Bemühungen zu unterstützen, ist der Verkauf des CUBITA-Kaffees mit einem Spendenprojekt zur alternativen Energiegewinnung verknüpft. Pro Kilo CUBITA fließen DM 0,90 in den Bau einer Solaranlage in der Sierra Maestra. Das Gebiet der Sierra Maestra ist verkehrstechnisch nur wenig erschlossen, Hauptzweig ist hier die Landwirtschaft. Lange zeit war Landflucht ein großes Problem, vor allem junge Menschen wanderten in die größeren Städte ab. Doch durch den Aufbau von Schulen, Gesundheitsposten und anderen Einrichtungen hat sich die Lebenssituation in der Region deutlich verbessert. Die Stromversorgung ist noch nicht ausreichend, wodurch manche Campesino-Familien z.b. vom Informationsfluss abgeschnitten sind. Besonders fatal wirkt sich Elektrizitätsmangel bei den Gesundheitsposten aus, da die meisten Medikamente ohne Kühlung verderben.

Hier hat Sol Cuba (Nürnberg) in Zusammenarbeit mit der nationalen Energiekommission bereits einige Solarprojekte durchgeführt. In El Mulato z.b. sind schon 25 der 91 Häuser elektrifiziert. Die kleinen anlagen, die aus einem Kollektor, einem Transformator und Batterien bestehen und je ein bis zwei Häuser mit Strom für Licht, Radio und Fernseher versorgen, kosten jeweils zwischen 1.600 und 2.000 Dollar. Dabei wird versucht, möglichst auf cubanische Hersteller zurückzugreifen. Etwa 15 km in den Bergen liegt ein neues Projektdorf, das eine 25 KW Anlage erhalten soll. Diese Anlage soll 50 Häuser, eine Gesundheitsstation und eventuell eine Kaffeetrocknungsanlage speisen. Auch in dieses Projekt werden CUBITA-Gelder fließen.

Saft aus Cuba

Sämtliche Früchte Cubas werden in dem Verarbeitungskombinat Lola Fruit gepresst. Die technische Anlage stammt aus der DDR, die auch Hauptabnehmer des cubanischen Saftes war. Aufgrund der recht rückständigen Technologie wurden in den letzten Jahren viele Neuinstallationen vorgenommen. Die Früchte kommen vorsortiert und gewogen mit Lastwagen an und werden in 8 Silos verstaut. Die Verarbeitungsanlage arbeitet rund um die Uhr, um mögliche Verunreinigungen auszuschließen.

Lediglich alle zehn Stunden ist 2 Stunden totale Pause. Über ein automatisches Transportsystem gelangen die Früchte in die Sortiermaschine, wo sie nach Größe sortiert und zur passenden Presse weitergeleitet werden. Der gepresste Saft gelangt nun durch Pipelines in eine Heizanlage, wo er bei etwa 50-60C erhitzt und zu Konzentrat verarbeitet wird. Das Konzentrat kommt in 250kg-Tanks und wird im Kühlraum bei -18 Grad bis zum Transport gelagert. Die Kontrakte laufen über das nationale Zitrusfruchtamt, dem neben Lola Fruit 17 Produktionskooperativen unterstehen. Wie bei cubanischen Staatshandelsprodukten üblich, wird für den Export der geltende Weltmarktpreis angesetzt.

Importiert wird das Konzentrat von der belgischen ATO OXFAM Wereldwinkels; die Abfüllung erfolgt in Belgien in die dort handelsüblichen Pfandflaschen. Der fertige Saft besteht dann zu 22% aus Konzentrat, zu 78% aus Wasser (Grundwasser aus 196m Tiefe); 1 kg Konzentrat ergibt 4,7 Liter Orangensaft und 4,3 Liter Grapefruitsaft. Es wird keinerlei Zucker zugesetzt. OXFAM Wereldwinkels erhebt pro Liter Saft einen Aufschlag von 0,5 Belgischen Francs für spezielle Projekte in Cuba. Ein Teil des Geldes fließt auch in den Aufbau von OXFAM-Büros in Cuba, über das in Zukunft alle Kontrakte direkt laufen sollen. Geplant ist langfristig auch eine direkte Mehrzahlung für die Produktionskooperativen.

In Absprache mit OXFAM Wereldwinkels will EL PUENTE den Saft für den deutschen Markt langfristig in Deutschland abfüllen lassen, um unnötige Transportkosten zu vermeiden und sich dem deutschen Pfandsystem anzuschließen. Ein entsprechender Abfüllbetrieb wurde bereits gefunden.

Cuba im 18. Jahrhundert: Größter Honigproduzent der Welt

Schon Mitte des 18. Jahrhunderts wurde in Cuba Honig angebaut. Nachdem die Honiggewinnung von der cubanischen Regierung zur Priorität erklärt wurde, entwickelte sich das Land zum größten Honigproduzenten der Welt. Als der Ostblock zusammenbrach, musste Cuba große Einnahmeeinbußen hinnehmen, da viele früheren Handelsabkommen für nichtig erklärt wurden. Zur Behauptung auf dem internationalen Markt initiierte die cubanische Regierung ein Förderprogramm für die Honigproduktion. Das hatte Erfolg. El-PUENTE'S cubanischer Honig stammt aus der Provinz Mantanzas. Die Imker verkaufen ihren Honig an die staatliche Firma Apicultura. Hier wird der Honig verarbeitet und schließlich an den Staatsbetrieb Cubaexport weiterverkauft. Dieser vermarktet den Honig über die Fair-Handelsorganisation OXFAM in Belgien, über die EL PUENTE den Honig bezieht.

"Mit Pfefferminz bis du mein Prinz"
(Marius-Müller-Westernhagen)

Pfefferminzbonbons kommen über Confitel S.A., die Vermarktungs-/Exportgesellschaft der cubanischen Süßwarenindustrie Confitera bei uns in den Handel. Während Confitera Süßwaren für den heimischen Markt produziert, wurde für die Exportvermarktung mit ihren anderen Bestimmungen und Bedürfnissen Confitel eingerichtet, und zwar als cubanisch-russisches Joint-Venture: 53% der Anteile gehören Confitera, 47% sind russisches Kapital. Abnehmer des Süßwaren waren 30 Jahre lang ausschließlich die sozialistischen Handelspartner.

Confitera unterhält 9 Fabriken (Soft-Drinks, Kekse, Schokolade, Bonbons etc.) mit 60 140 Beschäftigten. Gearbeitet wird im Zweischicht-Betrieb, jeweils acht Stunden, von Montag bis Freitag. Insgesamt gibt es rund 1.600 Beschäftigte, 60% sind Frauen. Confitera/Confitel bietet den Beschäftigten gute Rahmenbedingungen, z.B.:

- ein vergleichsweise hohes Einkommen;
- zusätzliche Versorgung mit Grundnahrungsmitteln aus farmeigener Produktion (Reis, Kartoffeln, Gemüse und Milch);
- Betriebswohnungen; eigene Schulen; ständige ärztliche Versorgung;
- ständige Kontrolle der Arbeitsbedingungen zum Schutz der Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz;
- monatliche Betriebsversammlungen;
kostenfreie Benutzung eines Urlaubszentrums;
- regelmäßige Freizeitangebote an den Wochenenden;- kostenfreie Fortbildungskurse in Buchhaltung, Sprache, Technik, Marketing;
- Stipendien im In- und Ausland;

und schließlich findet man bei EL PUENTE auch das berühmteste aller cubanischen Getränke: den "Ron de Cuba".

Rum wird durch die Destillation gegorenen Zuckerrohrsaftes gewonnen. Sein intensives Aroma erhält der Edelbranntwein durch einen hohen Gehalt an Estern und Säuren. Bei braunem Rum macht sich darüber hinaus die Lagerung im Fass bemerkbar. Es gibt die Sorten Ron Liberacion Carta Bianca, weißer Rum 3 Jahre und braunen älteren Rum. Alle besser als der unsägliche Bacardi-Rum. Sowieso.

CUBA LIBRE BO

CUBA LIBRE 2-2001