José Martí - zum 100. Todestag

Biographisches, Lyrik und Prosa aus einigen Werken José Martís (in Original und dt. Übersetzung) und von besonderer Bedeutung, der Versuch einer - historischen wie aktuellen Würdigung, all das vereint diese kleine Broschüre.

José Martí, als vorausschauender Politiker und Revolutionär, als Hoffnungsträger der Völker Lateinamerikas, der in unseren Metropolen weitgehend unbekannt ist, den verschiedenen Facetten der Persönlichkeit José Martís versuchen sich die AutorInnen behutsam anzunähern bis hin zu der Frage nach seiner Bedeutung heute, in den aktuellen Auseinandersetzungen um die Blockade, um die "neue Weltordnung"...

Bemerkenswert noch, daß das durchaus anspruchsvolle Büchlein gerade nicht von professionellen Kennern cubanischer Historie und Literatur erstellt wurde, sondern daß sich dafür einige sehr aktive Mitglieder der Aachener Gruppe der Freundschaftsgesellschaft zusammengefunden haben, um sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Erfolgreich.

José Martí: Mit allen für alle


Für das leidende Kuba das erste Wort. Kuba sollte der Altar sein, auf dem wir unser Leben opfern, und nicht der Sockel, auf dem wir uns erheben. Und nun, da ich seinen über alles geliebten Namen heraufbeschworen habe, werde ich die Liebe meiner Seele über diese großzügigen Hände ausgießen, die ganz sicher im rechten Augenblick, herbeieilen, um mir Kraft zu verleihen für die Agonie des Errichtens; jetzt, da ich über unsere Köpfe hinwegblicke und das Herz ganz aus mir herausgerissen habe, werde ich für die keinen egoistischen Dank haben, die glauben, in mir die Tugenden zu sehen, die sie in mir und jedem Kubaner wünschen; weder dem herzlichen Carbonell noch dem tapferen Rivero sage ich Dank für die wunderbare Freundlichkeit der Worte und das Feuer der großzügigen Liebe; sondern allen Dank meiner Seele sage ich ihnen, und damit den vielen, die Hand angelegt haben beim Aufbau für dieses Volk der Liebe, das sie im Angesicht des habgierigen Herrn aufgerichtet haben, der uns nachstellt und uns entzweit; für dieses Volk der Tugend, indem sich die freie Kraft unseres fleißigen Vaterlands zeigt; für dieses gebildete Volk, bei dem der Tisch zum Nachdenken neben dem zum Geld verdienen steht, und der Donner Mirabe aus neben der Kunst Rolands, was für die Hochmütigen dieser Welt ausreichende Antwort ist; für diese mit Helden umgebenen und auf Herzen errichteten Tempel. Ich umarme alle, die zu lieben verstehen. In meinem Herzen trage ich den Stern, trage ich die Taube.

Nicht die ständige Achtung vor einer Idee, der man nicht abschwören kann, ohne sich zu entehren, hat uns hier gewissermaßen und gegen unseren Willen zusammengeführt, auch nicht die immer bereitliegende und manchmal vorschnelle Antwort der Herzen des Vaterlands für einen nach Ruhm Strebenden oder für einen auf Macht Versessenen, oder für einen Helden, der die unangebrachte Todessehnsucht nicht mit dem höheren Heldentum verbindet, diese zu unterdrücken, oder für einen Bedürftigen, der unter dem Deckmantel des Vaterlands die Hand nach Almosen ausstreckt. Nicht der, der kommt, wird sich jemals durch Schmeichelei erniedrigen, nicht dieses edle Volk, das ihn empfängt, das Volk unterwürfiger und duldender Menschen. Meine Brust schwillt vor Stolz, und ich liebe mein Vaterland von jetzt an noch mehr, und ich glaube von jetzt an noch mehr an seine geordnete und lichte Zukunft, an eine Zukunft, in der die ernste Gefahr von ihm genommen ist, unbesonnen im Namen der Freiheit denen zu folgen, die sich sein, Verlangen nach ihr zunutze machen, im selber Vorteil daraus zuziehen; an die Republik der offenen Augen, die weder wahnwitzig noch ungebildet ist, glaube ich mehr denn je, seit ich, durch die geheiligten Gedanken, vereint jetzt und später, vereint, solange der Patriotismus vorhanden ist, die Kubaner, die ihre offene und freie unverhüllte Meinung über alle Dinge stellen, und einen Kubaner, der sie respektiert...

Für Wahrheiten arbeiten wir, nicht für Träume. Für die Befreiung der Kubaner arbeiten wir, nicht für ihre Einpferchung. Für die Berücksichtigung der Interessen und Rechte der treuen Einwohner Kubas in Frieden und Gleichheit arbeiten wir...

CUBA LIBRE (aus einer Rede, gehalten im Cubanischen Lyzeum, Tampa, 26.11.91)

CUBA LIBRE 2-1995