Zweiter Freundschaftskonvoi USA-Cuba der "Pastoren für den Frieden" festgehalten!

In Laredo an der mexikanischen Grenze wurde Ende Juli diese Solidaritätsaktion gestoppt und an der Weiterfahrt zunächst gehindert.

Während ein Großteil der gespendeten Hilfsgüter nach erheblichen Schwierigkeiten die Grenze passieren durften und Anfang August per Schiff in Havanna eintrafen, waren bis Redaktionsschluß noch immer ein für ein Altenheim bestimmter ehemaliger Schulbus nebst vielen Schulmaterialien beschlagnahmt. 14 TeilnehmerInnen der Solidaritätsaktion, unter ihnen Mitinitiator Reverend Lucius Walker befanden sich bereits seit Tagen im Hungerstreik, um die Weiterfahrt durchzusetzen.

Auch in den USA gab es massive Proteste gegen diese Schikanen: Eine Telefonaktion mit dem Ziel von einer Million Anrufen im Weißen Haus, eine Veranstaltung u.a. mit Jesse Jackson, den den Hungerstreikenden in Laredo auch eine Grußbotschaft sandte, worin er die Blockade als Relikt aus den Zeiten des Kalten Krieges verurteilte, sowie Protestaktionen in San Francisco, San Diego, Seattle, Chicago, Detroit, New York, Washington, Baltimore, Denver, Phoenix und Dallas. Diese Proteste wurden u.a. von den Kongreßabgeordneten Ron Dellums, Charles Rangel, Javier Becerra, Martin Sabo und Brue Vento unterstützt.

In Havanna wurden unterdessen die 207 bereits Angekommenen dieser Aktion, die 90 Tonnen Lebensmittel, Medikamente und weitere Gebrauchsgüter übergaben, von Fidel empfangen und Gail Walker verlas dort auch vor der Presse eine Erklärung ihres Vaters.

Wir dokumentieren hier:
- die Erklärung des ökumenischen Rates Cubas
- die Protesterklärung der FG BRD-Kuba an Bill Clinton die US-Regierung und den Kongreß

(ms)


Erklärung des ökumenischen Rates Kubas


Das Exekutivkomitee des Ökumenischen Rates Kubas hält es für seine christliche Pflicht, folgendes zum Ausdruck zu bringen:

Gegenwärtig führt eine Gruppe von US-amerikanischen Pastoren, unsere Brüder, die unsere Kirche und unser Volk lieben, einen zähen Hungerstreik in der texanischen Stadt Laredo an der Grenze zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten durch. Ihr einziger Grund ist der Wille, zu einer Beendigung der Blockade beizutragen, unter der wir Kubaner seit mehr als dreißig Jahren zu leiden haben.

Ihnen gelten in dieser schwierigen Situation unsere Gebete der Liebe und Solidarität und unser fester Wunsch, daß zum wohle unserer Völker ihre berechtigten ethischen Forderungen erfüllt werden mögen, die sich auf den biblischen Grundsatz stützt, "zu leiden mit denen, die leiden, und sich zu freuen mit denen, die sich freuen".

Havanna, den 2. August 1993
Ökumenischer Rat Kubas Exekutivkomitee


Erklärung der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba


An Präsident Bill Clinton
An die Regierung
An den Kongreß der Vereinigten Staaten von Amerika
c/o Botschaft der USA
Deichmanns Aue 29
53179 Bonn

19. August 1993

Protesterklärung

Wir verurteilen die neuerliche Eskalation anti-cubanischer Aktionen von Seiten der USA, in Form massiver Behinderungen des Freundschaftskonvois USA-Cuba und dem Festhalten eines Teils der für Cuba gespendeten Hilfsgüter. Es kann keinerlei Begründung dafür geben, warum einem cubanischen Altenheim ein Bus vorenthalten werden soll, warum keine Schulbücher und anderes Unterrichtsmaterial für Kinder nach Cuba gebracht werden sollten. Die USA verletzen hier Menschenrechte auf Nahrung und Bildung -, die sie sonst allerorten heuchlerisch im Munde führen. Menschenrechte, die in Cuba längst realisiert waren und immer noch sind nicht allerdings in den USA.

Wir erklären an dieser Stelle unsere solidarische Verbundenheit mit Reverend Lucius Walker und den anderen TeilnehmerInnen dieser Aktion der "Pastoren für den Frieden", von denen 14 sogar in den Hungerstreik gegangen sind, um das Recht auf ungehinderte Weiterfahrt des Konvois durchzusetzen. Wir fordern von dem Präsidenten der Vereinigten Staaten endlich die Aufgabe ihrer durch nichts zu rechtfertigenden, unmenschlichen Blockadepolitik, mit der sie das cubanische Volk aushungern wollen, das weiterhin sein Recht auf politische Selbstbestimmung, auf eine eigene sozialistische Entwicklung verteidigt.

Wir fordern die sofortige Beendigung aller Behinderungen für den Freundschaftskonvoi der "Pastoren für den Frieden" und alle anderen Solidaritätsinitiativen für Cuba.

Wir fordern weiterhin, Schluß zu machen mit verdeckten und offenen politischen und militärischen Provokationen gegenüber Cuba. Dazu gehört auch, den US-Militärstützpunkt in Guantanamo endlich aufzugeben und zu räumen.

Wir fordern für Cuba, beispielhaft für alle anderen Länder in Lateinamerika und der übrigen Welt gerechte Handelsbeziehungen mit den USA und den anderen industriellen Zentren, in denen sie sich wirtschaftlich entwickeln können und die nicht auf ihre totale Abhängigkeit abzielen.

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Bundesvorstand

CUBA LIBRE 3-1993