Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba e.V.


FG BRD-Kuba

Home

Terminkalender

CUBA LIBRE

Cuba kompakt

Projekte

Reisen

Regionalgruppen

Shop

Texte/Dokumente

Aus der FG

Galerien

Links

Downloads

Impressum

Spenden

Mitglied werden


Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba bei Facebook


Netzwerk Kuba
Komitee Basta Ya
junge Welt
Soliarenas
amerika21.de
Berliner Büro Buchmesse Havanna

Offener Brief der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba an den Chefredakteur der Tageszeitung »Neues Deutschland«, Jürgen Reents


Sehr geehrter Herr Reents,

wir sind sicher, Sie ahnen, was uns zu diesem offenen Brief veranlasst.

Während im internationalen Teil des »Neues Deutschland« die Beiträge von Leo Burghardt aus Havanna regelmäßig für eine sachliche und solidarische Berichterstattung über Kuba sorgen, feiert der Antikommunismus im Feuilleton immer wieder fröhliche Urständ. So zuletzt in der jüngsten Wochenendausgabe, in der ein Herr Uwe Stolzmann in einem Verriss des neuen Buches von Eduardo Galeano (»Fasst eine Weltgeschichte – Spiegelungen«) dem Affen richtig Zucker gibt.
Interessantes zur Person des Rezensenten liefert der Programmleiter im Züricher Rotpunktverlag, Andreas Simmen, in der »WOZ« vom 01.10.2009. Simmen klärt auf, dass Stolzmann »eine Art Rezensionsmanufaktur« unterhalte. »(…) er hat einen gewaltigen Ausstoss, weshalb man von ihm nicht erwarten kann, dass er die Bücher auch noch liest (...) Seine Geschäftsphilosophie besteht darin, dass es nicht darauf ankommt, dem Buch gerecht zu werden, sondern dem jeweiligen Abnehmer der Rezension, seinem Kunden (…) So publiziert er seine Kritiken im linken "Neuen Deutschland" (ND) als Benjamin Jakob und dann dasselbe als Uwe Stolzmann in der "Neuen Züricher Zeitung"(NZZ) (...) Als "Antilinker" machte er sich unter anderem einen Namen, als er in der NZZ vor einiger Zeit unter dem Titel "Das Gespenst einer totgeglaubten Ideologie" einen Rundumschlag gegen die lateinamerikanische Linke publizierte – damals weitherum eine Lachnummer der Spezialklasse.«

Gemäß dem alten Sprichwort »Was stört es die Eiche, wenn die Sau sich an ihr kratzt« wäre der ND-Verriss von Gaelanos neuem Werk kaum der Rede wert – wenn Stolzmann seine Suade nicht als Vehikel für üble antikubanische Ausfälle und Geschichtslügen genutzt hätte.

Als Antwort auf die sicher zahlreichen Leserzuschriften »entschuldigte sich« in der Ausgabe 6. Juli die ND-Chefredaktion für (O-Ton) »zwei haltlos flapsige, bösartige Attribute«.

Wenn ein Rezensent auf den Seiten Ihres Blattes Che Guevara als »Henker von Havanna« bezeichnet, sind das nicht einfach »haltlos flapsige« Attribute. Solch »flapsige Attribute« sind aus der rechts-bürgerlichen (Regenbogen-)Presse bekannt und dienen dort wie hier einem ideologischen Zweck. In diesem Falle der Diskreditierung der kubanischen Revolution und der Anstrengungen Kubas auf dem sozialistischen Weg – mittels der Methode der Geschichtsfälschung und der Verleumdung der handelnden Personen.

Uns ist nicht vorstellbar, dass Ihnen diese Zusammenhänge unbekannt sind.

Als Freunde Kubas fragen wir uns, ob es nicht angebracht gewesen wäre, statt sich selbst zu entschuldigen, um Entschuldigung zu bitten.

Eine Entschuldigung könnte erfolgen durch das kubanische Volk, das sicher Ihrem Rezensenten nachsehen würde, die durch die US-Blockade verschärfte »Misere Kubas« flapsig als »Mythos« zu bezeichnen. Sie wissen ja ebenso wie Ihr Leiter des Feuilleton-Ressorts, dass auch an mythischen medizinischen Gütern aufgrund der flapsigen Blockade ein mythischer Mangel herrscht. Dass sie diese wenigen Worte nicht »sorgsam beachtet« haben, wird, da sind wir sicher, das kubanische Volk entschuldigen.

Eine weitere Entschuldigung könnte hilfsweise die Botschaft der Republik Kuba übernehmen. Zwar mag man dort (das wäre zu erfragen) der Meinung sein, dass Fidel Castro durchaus »immer auf Seiten der Verlierer kämpfte«. Wir sind sicher, auch die »haltlos flapsige« Formulierung mit der Ihr Rezensent das abstreitet, würde von den Kubanern entschuldigt werden.

Statt sich selbst zu entschuldigen könnten Sie auch Ihre Leser um Entschuldigung bitten.
Wahlweise dafür, dass sie im »politischen Teil« Ihrer Zeitung den Anschein zu erwecken versuchen, eine »kritisch-solidarische« Position zur kubanischen Revolution zu beziehen (das würde sich an die Freunde Ihres Feuilletonleiters H.-D. Schütt richten) oder umgekehrt: dafür, dass Ihr Feuilleton von einem manchmal hasserfüllt scheinenden Agitator (nicht nur gegen die kubanische Revolution) geführt wird.

Unsere Bitte an Sie ist ganz einfach: Statt sich – qua Amtes? - selbst zu entschuldigen: bitten Sie um Entschuldigung für die flapsigen wenigen Worte.
Wen Sie darum bitten, das bestimmt die politische Leitlinie Ihrer Zeitung: Kritisch-solidarisch für die kubanische Revolution und damit für den Weg aus der kapitalistischen Barbarei – oder kritisch-solidarisch für die kapitalistische »Freiheit«.

Die so erlangte Entschuldigung könnte dann auch in gleicher Größe und Aufmachung erscheinen, wie die flapsige anti-kubanische Hetze.

Ihre Selbstentschuldigung jedenfalls hilft den Freunden Kubas nicht zu »kritischer Solidarität mit dem ND«.


Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba


Weitere Reaktionen auf den Artikel
»Fasst eine Weltgeschichte – Spiegelungen« im Neuen Deutschland:



Der Pol Pot von Havanna

Deutschland soll das Land der Dichter und Denker sein, liest man gelegentlich. Kuba hingegen soll das Land des Diktators und des Henkers sein, war am vergangenen Wochenende dem Neuen Deutschland zu entnehmen.
10.07.2010: junge Welt

Leserbriefe

Seite 4 (Meinung); »Krönung«, »Viele Meinungen ...«, »Entgleisungen«, »Sehr besorgt«, »Hat der Springerverlag das ND übernommen?«, »Anmerkung der Redaktion«
06.07.2010 Neues Deutschland

?Leider nur ein Weltbild?

Als Mitglieder der Redaktion der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift Cuba-Libre bemühen wir uns um die Verbreitung von Informationen und Nachrichten über Cuba, die in der überwiegenden Mehrheit der Presse in Deutschland verschwiegen oder verfälscht werden.
Das Neue Deutschland konnten wir bisher noch zu den Medien rechnen, die diese Selbstgleichschaltung nicht mitmachten. Um so überraschter sind wir über den Artikel von Uwe Stolzmann in der Samstags-Ausgabe des ND.
05.07.2010 CUBA LIBRE

Zwei Geisterfahrer im Feuilleton des Neuen Deutschlands

Würde man die folgenden Zeilen in einer Rezension in der FAZ oder NZZ lesen, würde man seinen Kopf schütteln, sich jedoch nicht weiter wundern. Passen diese Zeilen doch in das ideologische Weltbild der bürgerlichen Presseorgane.
04.07.2010 Red Globe

ND jetzt bei Springer?

Wie wird Che Guevara in einer sozialistischen Zeitung zum "Henker von Havanna"?
04.07.2010 amerika 21