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Die Cuba-Solidarität demnächst unter Generalverdacht?
Zollfahndung und Verfassungsschutz gehen gegen politische Aktive vor.
Auch 2008 beteiligte sich die Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba e.V., Regionalgruppe Essen, wieder mit
einem Informationsstand an der Messe "Mode-Heim-Handwerk". An fünf Tagen präsentierte
sie sich neben zahlreichen anderen Gruppen unter der Dachorganisation Essener Selbsthilfegruppen
"Wiese e.V." und informierte vom 1. bis 5. November durch die Verteilung von mehreren Tausend
Flugblättern sowie in zahlreichen Gesprächen mit Messe-Besucher/innen vor allem über die
Folgen der Hurrican-Katastrophe sowie den Kampf für die Freilassung der "Miami 5".
Ein besonderes "Highlight" wurde den Cubafreunden am letzten Tag ihres Einsatzes zuteil. Kurz nach
Eröffnung der Messe um 10 Uhr früh lehnte eine Gruppe von fünf Personen zwar die Annahme
des angebotenen Flugblatts ab, gab sich dafür aber als Team von Zollfahndern zu erkennen, das den
Flugblattverteiler aufforderte, sich auszuweisen und seine aktuelle Tätigkeit zu legitimieren.
Begründung: Schwarzarbeitkontrolle!
Der FG-Vertreter lehnte eine solche verdachtsunabhängige Personenkontrolle selbstverständlich
sofort ab und äußerte völliges Unverständnis dafür, dass ein unzweifelhaft
politischer Informationsstand unter den Verdacht der Schwarzarbeit gerückt würde. Ein solches
Vorgehen sei ihm in seiner fast 40jährigen politischen Praxis kein einziges Mal untergekommen.
Die Leiterin der Beamten, Frau T., Zollinspektorin der "Finanzkontrolle Schwarzarbeit, Arbeitsgebiet
Prävention, Hauptzollamt Duisburg", unterstellte derweil unverdrossen, dass der
Flugblattverteiler mit dieser Tätigkeit nicht nur als potentieller Schwarzarbeiter verdächtig
sei. Sie teilte auch mit, dass für den Fall, dass der Missetäter erwerbslos sei, der
zuständige "Leistungsträger" von ihr über den Verdacht informiert werden
würde. In einer sich darob entwickelnden heftigen Diskussion wurde deutlich, dass sich diese
Vertreter der Staatsgewalt weder Vorstellungen von dem Begriff "ehrenamtliche Tätigkeit"
machen konnten (oder wollten) noch davon, dass es Menschen gibt, die Leistungen (politische Arbeit) ohne
Bezahlung zu geben bereit sind.
Die Anschuldigung der unterstellten gewerblich betriebenen Flugblattverteilung wurde seitens des
FG-Vertreters in der Diskussion nicht nur mit dem Verweis auf den bereits optisch eindeutig politischen
Charakter des Standes zurück gewiesen. Er empfahl Frau Zollinspektorin T., sich beim in der Halle
anwesenden Leiter der "Wiese e.V." die völlig ehrenamtliche Tätigkeit aller
Beteiligten bestätigen zu lassen. Diese Möglichkeit wurde von der Fahnderin ebenso wenig genutzt
wie ein Anruf bei der FG-Bundesgeschäftsstelle, wo sie sich über die Ehrenamtlichkeit
sämtlicher Mandatsträger/innen dieser Organisation hätte informieren lassen können.
Vollends merkwürdig wird die ganze Angelegenheit, wenn man bedenkt, dass von den anwesenden rund
30 Gruppen, die vorwiegend gesundheitliche Aspekte abdecken, tatsächlich nur der einzig dezidiert
politische Stand belästigt wurde.
Als Hintergrund ist eine gezielte Denunziation ebenso möglich wie eine bewusste Provokation der
einschlägigen, trüben Dienste.
Das Ganze könnte als Kuriosum abgehakt werden und wäre damit nicht der Rede wert, wenn es hier
nicht um eine politisch wirklich bedenkliche Entwicklung ginge. Denn hierzu passend meldet die Fraktion
der Partei "Die Linke" in der Hamburger Bürgerschaft am 13.11.08, dass der dortige
"Verfassungsschutz" sämtliche Informationsstände kontrolliert, die von Parteien,
Gewerkschaften, Kirchen, Vereinen, Bürgerinitiativen und Einzelpersonen bei den Bezirksämtern
der Hansestadt angemeldet werden. Dieser Zugriff erstrecke sich auch auf personenbezogene Daten der
Anmelder. In einer Pressemitteilung des Landesbezirks Hamburg der Gewerkschaft ver.di vom 14.11.08
fordert deren Landesvorsitzende Wolfgang Rose, diese Praxis sofort zu stoppen: "Diese
obrigkeitsstaatlichen Praktiken müssen aufhören (...) Es dürfen nicht alle, die einen
Infostand anmelden, unter Verdacht gestellt werden. Ich bin erschüttert, dass derartige Methoden
in der Freien und Hansestadt Hamburg üblich sind. So werden ehrenamtliches Engagement und zivile
Aktivitäten, ob von Gewerkschaften, Kirchen oder Vereinen erschwert und diskreditiert (...)
Hamburg ist kein Überwachungsstaat."
Ob Hamburg, Essen oder anderswo - Überall, wo solche Einschüchterungsversuche vorkommen,
sollten sie öffentlich gemacht und deutlich zurück gewiesen werden. Getreu dem Motto
"Bangemachen gilt nicht!" muss dem Überwachungsstaat vor Ort offensiv entgegen getreten
werden.
Heinz-W. Hammer
18.11.08, Essen, www.cubafreundschaft.de
CUBA LIBRE 1-2009
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